Über uns Aktuelles Kenia Deutschland Osteuropa Kontakt Presse
Ziele Spendenaufruf Kindergarten Schule Integramus-Academy Safari Bildergallerie
Home Kenia Das neue Kapitel meines Lebens
Das neue Kapitel meines Lebens

Auf der Suche nach einem Internetcafe lief ich die Straße entlang und betrachtete die brüchigen Hütten der Einheimischen. In jeder zweiten verkaufte man typisch afrikanische Souvenirs und jeder der Verkäufer versuchte alle vorbeigehende Touristen auf seine Ware aufmerksam zu machen. Einige waren ziemlich aufdringlich, aber wenn sie hörten „leo hapana, labda kesho“ (übersetzt aus dem Suaheli: heute nicht, vielleicht morgen), ließen sie mich in Ruhe.

Plötzlich hörte ich aus einer Hütte viele Kinderstimmen: schreiend, weinend, lachend, sprechend, alles durcheinander. So neugierig wie ich bin, änderte ich die Richtung und näherte mich einem neuen Kapitel meines/unseres Lebens.

Nachdem ich mich durch ca. 25 auf dem Boden sitzende oder liegende Kinderkörper im Alter zwischen einem und sechs Jahren zu der einzigen Betreuerin durchdrängte, wurde es etwas stiller und ruhiger. Alle  betrachteten mich sehr zurückhaltend und ängstlich. Die einigen Brocken des in Deutschland gelernten Suahelis waren in diesem Moment sehr hilfreich und bauten gleich die ersten Ängste ab. Auf meine Frage, warum liegen viele Kinder auf dem Boden und weinen, antwortete die Frau, die meisten haben seit einigen Tagen nichts gegessen, oder haben Malaria, oder beides.

In diesem inoffiziellen Kinderhort für Waisen und Halbwaisen fehlte es an allem. Die öfters kranken und unterernährten Kinder mit Geschwüren an den Füssen und Tränen in den Augen wären über jegliche Zuwendung glücklich. Eine liebe und bewundernswerte Frau namens Helen versuchte den Kindern mindestens Zuneigung und Wärme zu geben, mehr konnte sie nicht.  Da die Kinder absolut kein Spielzeug  besaßen und um sie vom Hungergefühl abzulenken, lernte Helen mit den Kleinen an der provisorischen Tafel schreiben und lesen. Suaheli und Englisch. Um Zahlen zu lernen sammelten alle auf der Straße Flaschendeckel, die auch als Tauschspielzeug verwendbar waren.

Schockiert und sehr bedrückt kam ich in unserem kenianischen Quartier an und berichtete meinem Mann über das Erlebte. Seine erste Reaktion nach unserem gemeinsamen Besuch des Kindergartens war wie meine: wir müssen hier helfen, wir können doch nicht zusehen, wie in unserer Nähe Kinder sterben.

Spontan wurde in erster Linie eine tägliche Mahlzeit bestehend aus Reis und Bohnen und sauberes Trinkwasser organisiert, einige Tage später - Medikamente, Schuhe, Hefte, Stifte u.a.

Das Kochen für 25 Kinder ist sehr schwierig: zuerst muss Margret, die sich bereit erklärt hat diese Aufgabe zu übernehmen, Holz fürs Feuer sammeln, was manchmal 2 –3 Stunden in Anspruch nimmt, dann muss sie vom 2 km entfernten Brunnen eine 20 Liter Kanister Wasser holen und wenn das Essen fertig ist, bringt sie den vollen Eimer 2,5 km zum Kindergarten.

An einem Montag verspürte ich eine angespannte Atmosphäre: die Kinder drückten sich am Eingang der Hütte, sprangen immer wieder auf die Straße und schauten immer nur nach links. Sie waren ziemlich aggressiv zu einander, unkonzentriert beim Lernen und unruhig.

Ich fragte Helen, was mit den Kindern los sei und erfuhr, dass viele Kinder am Wochenende nichts zum Essen bekommen und die Margret immer den Eimer mit Reis und Bohnen aus der linken Richtung bringt.....

Und dann kam das Essen. „Chakula, chakula“ (Essen, Essen), - schrieen die Kinder, stürzten sich auf Margret, umringten sie so, dass sie sich nicht mehr bewegen konnte und es bestand die Gefahr, dass der Eimer umkippt. Wir, drei Erwachsene, versuchten die Kinder in Griff zu bekommen und verteilten so schnell wie es in diesem Chaos ging, die noch heiße Speise.

Nachdem der erste Hunger gestillt wurde, beruhigten sich die Kinder, dann kneteten sie aus Reis Kügelchen und verschiedene Figuren, bevor sie ihn in den Mund steckten, und die Augen begannen zu strahlen.

Diese Bilder, diese Augen bleiben immer in meinem Gedächtnis. Und dieses Gefühl, wie man mit so wenig so viel geben kann, würde ich gerne jedem in Deutschland schenken.

So begann eine neue Lebensaufgabe für mich und den Verein Integramus.
Luba Maier, Integramus e.V.

P.S. In diesem Sinne möchte ich mich bei allen, die unser Engagement in Kenia unterstützen, recht herzlich bedanken.

Copyright 2007 © Integramus e.V. All Rights Reserved.